Tipps für Musiker

Die Checkliste für deine Releaseplanung

Wir bei iGroove wollen unsere Kunden dabei unterstützen, stets das Maximum aus jedem Release herauszuholen. Damit dies gelingt, kommt man nicht um eine gute Releaseplanung und Geduld herum. Hat man sein Album fertig aufgenommen, würde man dieses am liebsten umgehend im Verkauf haben. Eine solide Planung kann aber gut und gerne sechs Monate bis zu einem Jahr in Anspruch nehmen, dafür steigen auch die Chancen, dass dein Release die verdiente Aufmerksamkeit erhält. Auch die Promotion muss wohlüberlegt sein, denn bist du nicht gerade ein Künstler des Kalibers von Beyoncé, wirst du dein Album nicht einfach ohne Vorankündigung auf den Markt schmeißen können.

Der Einfachheit halber gehen wir für die Releaseplanung von einer Albumveröffentlichung inklusive einiger Singles und Videosingles aus.

Releaseplanung während der Produktion

Sofern du nicht gerade ein sehr geheimnisvolles Image aufziehen willst, ist es wichtig die Fans in jeden Schritt des Prozesses miteinzubeziehen, damit sie sich als Teil des Ganzen fühlen. Somit beginnt die Releaseplanung also eigentlich schon während der Produktion. Halte deine Fans auf dem Laufenden mit Bildern aus dem Studio, kleinen Videos, mit ersten Soundhappen oder was dir sonst noch einfällt. Dabei solltest du dich nicht nur auf einen Kanal konzentrieren, sondern die ganze Palette nutzen.

Wenn das Ende des Produktionsprozesses bevorsteht, empfiehlt es sich, mit der konkreten Releaseplanung zu beginnen und ein (ungefähres) Releasedate zu fixieren. Wie erwähnt beginnt die Releaseplanung nicht erst einige Monate vor Release, im Gegenteil! Diese 6-12 Monate Vorlaufzeit geben nicht nur Planungssicherheit, sondern man kann sich in den entscheidenden Monaten vor dem Release ganz auf das Wesentliche konzentrieren: das Release bestmöglich zu promoten. Nicht vergessen unbedingt noch etwas Zeit für Unvorhergesehenes einzuplanen, denn das wird mit Garantie eintreffen.

Auch das angepeilte Releasedate muss durchdacht sein. Januar und Februar empfehlen sich für Independent-Releases. Hinsichtlich der Festivalsaison sind die Frühlingsmonate sehr beliebt und entsprechend groß ist die Konkurrenz auf dem Markt. Juni bis August gelten als Sommerloch – diese Monate haben somit einzig den Vorteil, dass weniger Konkurrenz releast. Ab September steigen die Releases wieder deutlich an und gerade große Namen veröffentlichen ihre Alben. Die lukrative Weihnachtszeit ist dann voll und ganz Major-Label-Zeit. Aufpassen solltest du auch auf Feiertage und auf Releases von Acts, die dir ähnlich sind. Natürlich ist dies nur ein grober Wegweiser und eine eher pauschale Zusammenfassung. Ist man ein Künstler, der seine Priorität vor allem auf die Liveaktivitäten legt, sollte man seine Releaseplanung primär am Tourplan und nicht der Jahreszeit ausrichten.

Die folgende Checkliste für deine Releaseplanung soll nun aufzeigen, welche Arbeiten in welchem Zeitraum angegangen werden sollten. Auch dies ist wiederum als Wegweiser ohne Allgemeingültigkeit zu verstehen!

6-12 Monate vor Release

√ Provisorisches Budget erstellen / Finanzierung klären

√ Fördergelder beantragen und Eingabedaten beachten (Tipps dazu: Deutschland & Schweiz // Österreich)

√ Detaillierten Marketingplan aufstellen (genauer Ablauf der Promo in den sozialen Netzwerken und auch außerhalb des Internets)

√ Promokontakte sammeln und Medienliste zusammenstellen

√ Biographie auf den neusten Stand bringen

Pressetext schreiben (auch in Zeiten der sozialen Medien ist die Pressearbeit nicht zu vernachlässigen!)

√ Dort, wo man Hilfe braucht, Partner ins Boot holen, etwa für Booking, PR eventuell auch ein Label suchen (dann werden 6-12 Monate aber schon wieder knapp)

√ Tourplanung /  Plattentaufe organisieren

√ Sofern noch nicht vorhanden eine eigene Website aufsetzen

√ Auf allen Netzwerken präsent sein: Facebook, Twitter, Insta, MX3, YouTube etc.

√ Sammle alle Kontakte deiner Fans und erstelle eine Liste mit den Mail-Adressen für deinen Newsletter

√ Entscheiden, ob man nur digital oder auch physisch releasen will

√ Wenn es CD, Vinyl oder Tape geben soll, das entsprechende Presswerk finden

√ Soll es auch Merchandise geben? Dann dieses designen lassen, einen Hersteller finden sowie einen Vertrieb für dein Merch

√ Ebenso musst du dir einen Distributor suchen für dein Release (digital und physisch). Unser ganz neutraler Tipp für beides: iGroove ;).

√ Albumcover, Singlecovers und alle mit dem Release zusammenhängende Grafiken (z.B. Banner, Social Media Header, Flyer) erstellen lassen. Hier nicht sparen, denn das Artwork sagt fast so viel über dich aus wie deine Musik

√ Professionelle Fotos schießen

√ Wo lasse ich meine Songs mischen und mastern? Auch hier lieber zu viel Zeit einrechnen, da man möglicherweise nicht mit dem ersten Mix zufrieden ist.

√ Welche Songs taugen als Singles und wann erscheinen diese?

√ Zu welchen Songs sollen Videos gedreht werden (und für wie viele reicht das Geld)?

√ Mit wem arbeite ich für die Videoclips und sind bereits inhaltliche Idee vorhanden?

√ Weiteren Videocontent produzieren für die Promophase

√ Hast du alle obigen Punkte abgecheckt, kannst du nun endgültig ein Release Date festlegen und das definitive Budget erstellen

3-5 Monate vor Release

√ Hast du alle nötigen Codes (ISRC / EAN / allenfalls Labelcode)?

√ Hast du die Freigabe für die CD-Pressung von GEMA / SUISA / AKM eingeholt?

√ Damit es erledigt ist, kannst du auch gleich sonst alles Nötige bei den Verwertungsgesellschaften anmelden (GLV / Swissperform / LSG nicht vergessen!)

√ Videos drehen

√ Hast du das Master und ist auch das Artwork fertig, gibt es keinen Grund mit dem Presswerk weiter zuzuwarten. Gerade die Vinyl-Presswerke sind momentan extrem ausgelastet, was zu langen Lieferfristen führen kann.

√ Gibt es wichtige Magazine, die eine lange Vorlaufzeit (Deadline) haben, diese bereits jetzt angehen, dass man in der Ausgabe nahe beim Release drin ist!

√ Stehen die Tourtermine? Dann kann man diese nun publizieren und mit dem Vorverkauf starten

√ Langsam aber sicher gilt es ernst! Wieso nicht jetzt schon das Releasedate deines Albums bekanntgeben und das Album bei deinem Vertrieb hochladen?

√ Wenn das Release beim Vertrieb hochgeladen wird, müssen auch die Songs für Instant Gratification angegeben werden. Nicht vergessen: alle Vorverkäufe zählen für die erste wichtige Chartwoche! Eine lange Vorverkaufsphase hat also viele Vorteile!

√ Versende einen Newsletter an deine Fans und informiere sie als erstes über das kommende Release

√ Wenn du auch in physischer Form Werbung machst (Flyer, Plakate etc.), empfiehlt es sich, ein Street Team auf die Beine zu stellen.

√ Ist die Zeit reif für die erste Single, vielleicht sogar den ersten Clip? Oder willst du die Vorfreude der Fans mit einem Gratis Song (z.B. über den Artist-Bot) anheizen?

√ Erscheint die erste Single oder der erste Clip, ist es an der Zeit für den ersten Medienversand (grundsätzlich empfehlen wir mindestens drei Medienmitteilungen zu verschicken)

6-11 Wochen vor Release

√ Spätestens in diesem Zeitraum ist es an der Zeit für die erste Single

√ Sofern du die Möglichkeit hattest, mehr als ein Video zu releasen, ist jetzt spätestens die Zeit gekommen für den ersten Clip!

√ Um zusätzliche Einnahmen zu generieren, kannst du den Clip monetarisieren.

√ Um möglichst viele Leute zu erreichen und neue Fans zu gewinnen, solltest du das Video boosten und mit Tools wie «Share & Download» arbeiten. Auch Pre-Roll-Werbung auf YouTube ist möglich.

√ Unterdessen sollte das Releasedate bekanntgegeben sein. Deshalb muss nun die Homepage upgedatet und auf das kommende Release maßgeschneidert werden. Eventuell sogar einen Countdown auf der Website installieren!

√ Neben Website und Social Media dürfen die Profile auf Spotify, Apple Music etc. nicht vergessen gehen. Auch hier regelmäßig Neuigkeiten posten!

√ Da jetzt hoffentlich bereits ein Hype ausgebrochen ist, muss das ausgenutzt werden. Mit Re-Marketing kann man die Interessenten gezielt und ohne große Streuverluste erreichen. Versuche so viele Daten deiner Fans wie möglich zu sammeln, um diese gezielt erreichen zu können.

√ Produziere jetzt die physischen Werbemittel wie Flyer, Sticker oder Poster.

√ Deine Fangemeinde weiß jetzt, dass das neue Album kommt. Deshalb ist es jetzt an der Zeit, den Vorverkauf zu starten.

√ Informiere deine Fans mit einem Newsletter darüber, dass das Album nun vorbestellt werden kann.

√ Damit man nicht dutzende Links posten muss, unbedingt eine Link Site erstellen.

1-5 Wochen vor Release

√ Die Veröffentlichung rückt näher, deshalb gilt es nun bei der Promo aus allen Rohren zu schießen. Facebook-Werbung, Re-Marketing, Banner etc. etc.!

√ Generell muss nun regelmäßig neuer Content kommen wie Audio-Snippets, Video-Teaser und sonstiges exklusives Material.

√ Gibt es auch physische Promo ist es nun an der Zeit, die Flyer, Plakate oder Sticker unter die Leute zu bringen.

√ Nun gilt es, die Fans einzubinden. Die eine oder andere Verlosung ist jetzt also sicherlich nicht falsch (Meet & Greet etc.)

√ Spätestens jetzt müssen alle deine Social-Media-Profile und deine Website ready und aufeinander abgestimmt sein.

√ Einige Wochen vor Release ist die Zeit für eine neue Single und / oder Video gekommen. Gegebenenfalls das Video bereits einen Tag vor dem Single-Release, also normalerweise einem Donnerstag, ins Netz stellen.

√ Mit der Single bzw. Videoauskopplung auch ein zweites Mal die Medien angehen

√ In der Releasewoche muss eine weitere Pressemitteilung raus. Spätestens dann sollten die Medien auch mit deiner Musik bemustert werden (vorzugsweise über MPN), damit sie auch wissen, über was sie schreiben.

√ Vergiss neben den traditionellen Medien (Radios, Zeitungen, Magazine, Fernsehen) die Blogs nicht und je nach Musikstil ist es auch wichtig, die DJ’s mit deiner Musik zu bemustern, dass sie diese an Partys, im Radio oder ihren Online-Sets spielen.

Am Releasetag

√ Der große Tag ist gekommen und jeder, der eine deiner Social-Media-Seiten besucht, sollte dies auch umgehend merken!

√ Teile deine Freude mit deinen Fans und einem erneuten Newsletter mit welchem du dich auch gleich für alle Vorbestellungen bedanken kannst!

√ Du hast noch Geld in der Kriegskasse? Gut, dann investiere dieses in gezielte Werbung z.B. eine Facebook-Kampagne

√ Hattest du die Möglichkeit mehr als zwei Videos zu drehen? Dann spar dir eines für den Releasetag auf, um zusätzlichen Hype zu generieren

√ Ordentlich Saufen gehen

Nun ist das Album also draußen und bald wird sich zeigen, wie sich diese minutiöse Releaseplanung auf die Verkäufe ausgewirkt hat. Deshalb an dieser Stelle noch ein kurzer Exkurs zum Thema Charts:
Die Charts werden sowohl in Deutschland, in Österreich wie auch in der Schweiz von Freitag bis Donnerstag erhoben. Also unbedingt immer an einem Freitag releasen! Worin sich Deutschland von den anderen beiden Ländern (und dem Rest der Welt) unterscheidet, ist die Erhebung der Charts. Während die Schweiz und Österreich die Charts anhand der Verkaufszahlen berechnen, gibt in Deutschland sogenannte Werte Charts. Das heißt, dass nicht primär die verkauften Einheiten zählen, sondern der generierte Umsatz. Wer sich immer gefragt hat, wieso es so viele Deluxe Boxen und Limited Editions auf dem Markt gibt, der kennt nun die Antwort.
Ein wichtiger Faktor ist das Streaming: In Deutschland zählen Streams seit 2014 (Singles) beziehungsweise 2016 (Alben) für die Charts. Erhoben wird dies anhand von einem ziemlich komplexen Verfahren und nur bei Premium Nutzern, also solche die für den Streamingdienst bezahlen. Auch in Österreich gelten nur Streams von Premium Nutzern. Bei den Singles zählen 100 Streams als ein Verkauf. Seit 2017 zählen auch Album-Streams zu den Charts. Die genaue Berechnungsmethode findet ihr hier.

In der Schweiz zählen Streams bislang nur für die Singlecharts. Dort zählen 119 Streams von Premium Nutzern als ein verkauftes Exemplar. Eine Schweizer Besonderheit ist, dass SMS-Verkäufe für die Charts zählen.

Auf keinen Fall vergessen: Die Planung und die Promophase enden nicht mit dem Release! Am Releasetag darf gefeiert werden, dann geht es aber wieder zurück an die Arbeit!

Nach dem Release

√ Dein Album ist ein Erfolg geworden? Dann lass es alle wissen! Poste es auf Social Media, versende einen Dankes-Newsletter und verschicke eine Pressemitteilung!

√ Um im Gespräch zu bleiben, lohnt es sich einige Wochen nach Release nochmals ein Video zu releasen (es dürfen natürlich auch mehr sein, wenn das Videokässchen großzügig gefüllt ist).

√ Release zu deinen Videos stets auch einen Trailer, so hast du mehr Material für Posts.

√ Sind einige Songs nicht auf dem Album gelandet, die aber deinen Qualitätsansprüchen trotzdem genügen? Dann bietet es sich an, diese einige Wochen oder Monate nach dem Album zu releasen. Entweder als kostenloses Geschenk an die Fans, als Bonus-EP oder sogar als Deluxe-Edition des Albums mit zusätzlichen Songs. (Dies muss natürlich auch von langer Hand geplant werden)

√ Eine weitere Idee ist es, Remixes einige deiner Songs zu veröffentlichen

√ Bleib generell aktiv auf allen Kanälen und ruh dich nicht auf deinen Lorbeeren aus, das gibt es im schnelllebigen Musikbusiness nämlich nicht mehr!

Bei vielen Punkten dieser Checkliste kann dich iGroove unterstützen. Gerne begleiten wir dich auch aktiv bei deiner Releaseplanung. Melde dich dafür früh genug (wie wir gesehen haben über ein halbes Jahr vor dem geplanten Release) bei uns!

Wir hoffen, dieser Post hat euch gefallen und die Checkliste hilft euch bei der nächsten Releaseplanung. Sollten wir etwas Entscheidendes vergessen haben, schickt uns eure Inputs an fm@igroove.ch und wir ergänzen dies gerne! Weitere hilfreiche Beiträge findet ihr hier.

Euer
iGrooveNext-Team

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